Die Wittorfer 
 Burg  

Im Südwesten Neumünsters liegt der Stadtteil Wittorf. An seinem Rande, wo die Schwale in die Stör mündet, befinden sich die Reste der einstigen Wittorfer Burg. 

  • Von Neumünster-Wittorf aus erreicht man die Wittorfer Burg über die Burgstraße. Sie befindet sich direkt hinter der Eisenbahnlinie Neumünster - Hamburg und ist vom Waldparkplatz aus zu Fuß zu erreichen. Benutzen Sie die Brücke unter der Bahnüberführung (Stör) und queren Sie nicht die Gleise!
  • Von Padenstedt aus folgt man der Ausschilderung in der Padendorfer Landstraße zwischen Autobahn- und Eisenbahnquerung. Ein Fußpfad führt durch das Störtal und quert die Stör. Im Wald folgen Sie dem Weg rechts.

Die Wallreste der ehemaligen Befestigungsanlage liegen auf einer ca. 500 Meter langen Sanderinsel. Sie bestehen aus einem teils ca. 4 m hohen Ringwall und einem vorgelagerten, schwach erhöhten Hauptwall, der die Burg nach Osten hin abriegelt. Die Wittorfer Burg wurde 1984 restauriert und ist heute mit einem Laubwald bestockt.
Die Burg erhielt seinerzeit  zusätzlichen Schutz durch die natürlichen Gegebenheiten, die den Feinden einen Angriff erschwerten: 
  • die Flussläufe von Schwale und Stör selbst 
  • ihre sumpfigen Uferniederungen 
  • sowie die sumpfige Niederung, die im Osten der Sanderinsel lag.

 

Über die einstige Bedeutung der Burganlage, über den Zeitraum ihres wehrhaften Bestehens, über ihre Besiedlung und  auch über ihr Aussehen und die kriegerischen Prüfungen, denen sie ausgesetzt war, gibt es keinerlei zeitgeschichtliche Schriftquellen. Deshalb führte das Landesamt für Vor- und Frühgeschichte von Schleswig-Holstein im Mai 1949 eine Ausgrabung durch, die mit den Methoden der Archäologie die Kenntnislücken schließen sollte. 1984 wurde die Anlage teilweise restauriert. Leider erschwert der neuerliche Waldaufwuchs die Überschaubarkeit der Burganlage. 


Der Ringwall


Die Wittorfer Burg war eine sächsische Burg. Sie ist vermutlich im 9. Jhd. im Zuge der Auseinandersetzung zwischen den Sachsen und Wenden entstanden. Ihre strategische Bedeutung bestand darin, den Holstengau gegen Überfälle der Wenden zu sichern. Diese Aufgabe hat sie gemeinsam mit der 9 km nördlich gelegenen Einfelder Burg erfüllt. Scherbenfunde deuten darauf hin, dass sie bis in die 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts genutzt worden ist.

Bei den Ausgrabungen wurden ein Schnitt durch den Ringwall und ein Suchgraben durch das Burginnere gegraben. Die obige - nachträglich von mir colorierte (L.W.) - Schnittzeichnung von Hans Hingst zeigt die Schichtungen in der Ostseite des Ringwalls. Hier die südliche Grabenwand, so dass die Himmelsrichtungen Ost und West vertauscht erscheinen.  Die Grabungsbefunde lassen den Schluss zu, dass die Burg in drei aufeinanderfolgenden Abschnitten errichtet und ausgebaut wurde. (s. farbliche Abgrenzungen)

Der erste Bauabschnitt erfolgte ebenerdig. Es wurde ein Schutzwall aus Sand aufgeschüttet. An der Außen- und Innenseite wurden Baumstämme und Bohlen übereinander geschichtet. 

Mit ebensolchen Holzerde-Mauern ist im zweiten Abschnitt der Wall erhöht und verstärkt worden. Die Holzkohle- und Aschereste in der oberen Lage der zweiten Schicht deuten darauf hin, dass die Anlage durch kriegerische Handlungen zerstört worden ist.
Offensichtlich wurde die zerstörte Burganlage in einer dritten Bauphase nochmals mit einer ähnlichen Holz-Erde-Konstruktion erhöht und erneut befestigt. Die oberste Brandschicht deutet auf eine erneute Zerstörung der Burg hin. Der Wall ist deutlich höher gewesen als die heute bis zu ca. 4 m hohen Reste. Auch war der Wall nach außen erheblich steiler. Zusätzlich befand sich wohl auf der Wallkrone eine Palisadenwand. Es muss sich also um ein sehr hohes, schwer einnehmbares und Respekt einflößendes Bauwerk gehandelt haben.

Auch der östliche Vorwall (s. Zeichnung ganz oben) ist wohl ähnlich konstruiert gewesen. Heute hebt er sich nur noch als ca. 1 m hohe Bodenwelle ab.

In der Burg wurden Scherben gefunden, die die Vermutung zulassen, dass es sich um eine sächsische Grenzbefestigung gehandelt hat. Östlich von der Burg wurden Hausgrundrisse, Scherben und Gebrauchsgegenstände ergraben, die belegen, dass sich dort eine ausgedehnte sächsische Siedlung befand.

Hingst: 
"Es darf ... festgestellt werden, dass die Wittorfer Burg in den politischen und kriegerischen Entwicklungen des 9. - 11. Jahrhunderts im Gau Faldera ein Zentrum von einiger Bedeutung gewesen ist."

Eine Auswertung der Funde veröffentlichte Hans Wingst 
in "Die Heimat", Heft 6/1950, Neumünster 1950, S. 165 - 167 und 
in der "Offa" 10/1952, Neumünster 1952, S. 54 - 60 

Hintergrund: 
Nach dem Sieg der Franken unter Karl dem Großen im Jahr 805 n.Chr. über die Sachsen wurde der sogenannte Limes Saxoniae eingerichtet, ein Urwaldgürtel zwischen sächsischen und slawischen Siedlungsgebieten, der über mehrere Jahrhunderte Bestand hatte und von dem bis heute beispielsweise der Sachsenwald bei Hamburg erhalten ist. 

Am Rande des Gürtels befanden sich auf sächsischer Seite Burganlagen , die strategisch wichtige Plätze besetzten. Die Burgen sicherten als Herrschaftssitze das Land gegen das slawische Siedlungsgebiet im Osten und gegen das karolingische Reich südlich der Elbe.

Am Heerweg lagen die Burgen Ulzburg, Hitzhusen und Willenscharen. Die Stellerburg nördlich von Heide und die Bökelnburg begrenzten das Holstenland nach Westen. Nördlich von Itzehoe kontrollierte die Kaaksburg einen wichtigen Weg durch den Holstengau. 

Die Wittorfer, Einfelder und Borgdorfer Burg bildeten die nordöstlichen Endglieder in einer Reihe von Sicherungsanlagen. Eine naturgegebene sandige und relativ trockene Eingangspforte zwischen Holstein und dem Slawenland verlief östlich von der Wittorfer Burg. 

Bilder von der Wittorfer Burg

Zurück zur Startseite